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Baustellenplanung

8. Oktober 2008

Nun weiß ich nicht, ob es denn wirklich Beamte sind, die über die Baustellenplanung entscheiden, aber insofern eine maximale Ignoranz der Bedürfnisse des einfachen Volkes sowie das aktive Bemühen um Effizienzvermeidung für das Stereotyp des Beamten stehen, handelt man dort sicher in seinem Geiste.

Es ist den Damen und Herren dort in den Sinn gekommen, man müsse mal wieder den Asphalt auf der B27 auf Höhe unseres Büros aufreißen. Mal hier, mal dort, jeden Tag ein paar Meter versetzt. Wer die B27 nicht kennt, sollte noch wissen, daß genau diese Stelle auch so schon der Flaschenhals zwischen den hervoragend ausgebauten Teilstücken von Stuttgart bis Eingang Tübingen und Ausgang Tübingen bis Dußlingen ist – mit nur noch einem Streifen pro Richtung.

Jedenfalls hat man es in der Verwaltung für klug erachtet, werktags und genau zur morgendlichen Rush Hour mit den Arbeiten zu beginnen. Es ist beachtlich, mit wie wenig Einsatz sich eine große Wirkung erzielen läßt. Die Baustelle hat eine Größe von ca. sechs Quadratmetern, und auf ihr drängeln sich drei Arbeiter, von denen zwei wie üblich einem bei der Arbeit zusehen scheinen. Ein Stau von mehreren Kilometern Länge in beide Richtungen ist die Folge. Das Beste: Kurz nach dem Mittag ist Schluß für den Tag. Am nächsten Morgen geht es dann ein paar Meter entfernt mit einer neuen Baustelle weiter.

Nun fragt sich ein vernunftbegabter Mensch vermutlich, warum solche Arbeiten nicht am Wochenende, nachts oder wenigstens nachmittags verrichtet werden. Aber muß man wirklich alles immer vernünftig machen? Warum nicht mal so richtig unabhängig denken? Zum Beispiel, indem Sie einfach Ihre Steuern mal an das Finanzamt Hamburg-Süd oder gleich der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger überweisen? Wieso nicht an ungeraden Kalendertagen die Fußgängerzone als Verkehrsübungsplatz für Ihre minderjährige Tochter nutzen? Oder dem Busfahrer mal eine Pause gönnen und selber das Steuer in die Hand nehmen? Führt zu Unglück und Chaos, meinen Sie?

Ich bitte Sie: Das hat in der Verwaltung doch auch noch nie jemanden gestört.

Der Tübinger Busfahrer

19. September 2008

Der Nahverkehr in Tübingen ist in vielerlei Hinsicht vorbildlich zu nennen. Die Busse erreichen auch den hintersten Winkel dieser Stadt und verkehren auf den meisten Linien in guten Taktzeiten und bis spät in den Abend. Die strukturellen Voraussetzungen für einen effektiven öffentlichen Nahverkehr sind also da.

Doch dann gibt es da auch noch den Menschen, der das Bindeglied zwischen dem Stadtverkehr Tübingen (ein Betriebszweig der Stadtwerke Tübingen) und den Fahrgästen bildet: der Busfahrer. Sein Verhalten beeinflußt maßgeblich die Qualität der Busfahrt und das Image vom Stadtverkehr und den Stadtwerken Tübingen. In seiner Person treffen die Anforderungen von Fahrgästen, Dienstanweisungen und Straßenverkehr zusammen. Busfahren ist also eine recht anspruchsvolle Tätigkeit, wenn Sie es mal so betrachten.

Man sollte folglich meinen, daß jemand mit so einer Hebelwirkung für das öffentliche Meinungsbild zum Stadtverkehr sicher von den Stadtwerken sorgfältig ausgesucht und geschult wird und nicht zuletzt in ein umfassendes Qualitätsmanagement eingebunden ist. Die Wirklichkeit freilich ist anders: die Stadtwerke suchen nicht sorgfältig aus. Sie suchen nämlich gar nicht aus. Ihr wichtigster Repräsentant in der Öffentlichkeit ist angestellt bei externen Busunternehmen, die im Auftrag der Stadtwerke Tübingen arbeiten. Die Stadtwerke haben nicht einmal eine Weisungsbefugnis gegenüber den Busfahrern. Und leider erleben – bei allen positiven Erfahrungen – immer noch zu viele Tübinger zu häufig gleichgültige oder unfreundliche Busfahrer; in einigen Fällen möchte man den Fahrern nicht einmal eine Ladung Mastvieh anheimgeben, geschweige denn Kinder und ältere Menschen. mehr ...