Adobe Flash und Suchmaschinen: Eine kleine Agenturdiskussion

Einer der typischen Agenturtage. Blendendes Wetter, kleine Wölkchen durchziehen den stahlblauen Himmel über dem Lorettoplatz. Wie aus dem Nichts entsteht folgende Diskussion:

Dennis M. Block (Kreativer):
Ich habe gerade gelesen: Künftig können auch komplett in Flash gestaltete Websites von Google & Co. erschlossen werden. Das sollten wir in Kundengesprächen wissen, um keine unkorrekten Behauptungen aufzustellen. Die Washington Post schreibt:

Once Nearly Invisible To Search Engines, Flash Files Can Now Be Found And Indexed

Erick Schonfeld, TechCrunch.com, Tuesday, July 1, 2008; 10:10 AM

[…] Adobe has come up with a way for the search engines to read SWF files and index all of the information they contain. That means any text or links in a Flash application can now be indexed. This is a huge step forward for Adobe and anyone who develops in Flash/Flex. Michele Turner, Adobe’s VP of marketing for its platform business, explains:

We are releasing technology to Google and Yahoo that enables them to crawl and index SWF files. They are now searchable. This will open up millions of Flash files to search.

Adobe has created a special Flash player for the search engines that acts like a virtual user going through each application. It actually goes through the runtime of each Flash application and translates it into something the search engines can understand. So all of those fancy interactive Flash Websites and other rich Internet applications that have been invisible to search engines, can now be seen by them.

Turner acknowledges that this invisibility so far „has been a big problem for those developing rich applications.“ After all, it doesn’t matter how pretty your Website is if nobody can find it.[…] Even so, this won’t solve all the problems with Flash content showing up on search engines.

Becoming visible is one thing, actually ranking highly is another. Google currently can find about 73 million Flash files on the Web. But until Adobe makes it easy for the average Webmaster or blogger to link deeply into those Flash files, they are not likely to appear at the top of many search results.

Andreas Brus (IT-Chef):

Für mich ist allerdings der letzte Satz der relevanteste. Und bis Flash Seiten gut gerankt werden wird noch etwas Zeit vergehen. Die meisten Flash-Websites haben auch nicht wirklich viel und wenn dann sicher nicht sinnvoll gestalteten oder formatierten Content. Und wenn die ersten Flash-Spammer erkannt wurden, wird auch Google wieder sehr zurückhaltend werden.

Aber wir können ja mal testweise einen Spam-Flash-Film auf unsere Website stellen. Mal sehen was passiert.

Dennis M. Block (Kreativer):

Verstanden. Aber: Bei Kundenanfragen zu Flash-Sites haben wir aber bislang immer auf die Unzugänglichkeit der Inhalte durch Suchmaschinen gewiesen. Dieses nun weiterhin zu tun, wäre ohne die in den Artikeln genannten Zusätze fahrlässig und würde sicher nicht unserem gewünschten Bild als Werbeagentur mit dem besten IT-Knowledge in der Region gerecht.

Daß, wie Du zitiert hast, die Inhalte von Flash-Files trotzdem noch nicht gleichzeitig denselben Optimierungswerkzeugen zugänglich sind wie klassische Texte, spielt uns doch ganz wunderbar in die Hände und erlaubt uns im Kundengespräch eine qualifizierte Wertung. Deine Idee mit dem SPAM-Flashfilm finde ich übrigens ganz nett, wenngleich ich zugeben muß, daß mir die technische Expertise fehlt, einschätzen zu können, wie wir damit für uns oder unsere Kunden einen Benefit erzielen können.

Jan Loderhose (Projektleiter Internet):

Wir müssen unseren Kunden vorerst weiterhin klar machen, dass Flash-Inhalte für Suchmaschinen im Allgemeinen nicht zugänglich sind.

Die allgemein verfügbaren Informationen berücksichtigen meist nicht, dass die zugänglichen Flash-Inhalte ausschließlich die durch ActionScript ausgegebenen Strings sind. Damit bezieht sich die Zugänglichkeit auf bestimmte Textinhalte in swf-Dateien und nicht in flv-Dateien. Das steht auch in dem Artikel der Washington Post.

Diesen Unterschied und welche Konequenz er für die Erstellung von Flash-Seiten hat müsste den Kunden lange und intensiv erklärt und klar gemacht werden. Hinzu kommt, dass diese Texte nicht extern eingebunden sein dürfen und Verknüpfungen zwischen verschiedenen swf-Dateien noch nicht aufgelöst werden können. Da große Flash-Applikationen, zu denen Seiten, die ausschließlich auf Flash basieren, gehören, aus mehreren swf-Dateien zusammen gestellt sind, oder über eine swf verschiedenen flv Dateien laden, damit die Gesamtapplikation verteilt geladen werden kann, ist die großartige Ankündigung von Google vorerst nicht mehr als eine PR-Maßnahme.

So lange es keine Erfahrungswerte (eigene oder von anderen SEOs) gibt und Google das Können, das man den aktuellen Nachrichten entnehmen könnte, tatsächlich nicht vorweist, können wir unseren Kunden auch nicht erzählen, dass Flash-Seiten jetzt von Google gecrawled werden können.

Desweiteren hat Adobe die Technologie zwar bereit gestellt, aber diese muss auch erst noch vollends umgesetzt werden; in den PLayern, die Flash darstellen und der Software, durch die Falsh erzeugt wird. Das dauert noch ein Weilchen.

Dennis M. Block (Kreativer):

Das alles ist schön und gut, ändert aber überhaupt nichts an der Tatsache, daß es unkorrekt wäre zu behaupten, Flash-Inhalte sind für Suchmaschinen unzugänglich. Man muß hier differenzieren und sollte die neue Technologie von Adobe im Hinterkopf/auf dem Schirm haben. Auf nichts anderes habe ich hingewiesen.

Frank Röske (Systemadministrator):

Mögliche Indexierbarkeit hin oder her: Fakt ist, daß Flash definitiv die nächsten Monate oder Jahre nicht sinnvoll durch Google indexiert werden kann, von anderen Suchmaschinen ganz zu schweigen und – zumindest ich – würde keinem zu einer Flash-Seite raten. Mehr noch: Aufgrund des hohen Mißbrauchpotentials von Flash würde ich nicht einmal einem Anwender raten, einen Flash-Player zu installieren. Meine Meinung.

Aber selbst wenn google das alles komplett und toll indexieren könnte, wie soll es dann funktionieren, daß man auf der richtigen Flash-Unterseite landet? Es gibt keine Technologie, die es ermöglicht oder erzwingt über die Angabe eines Parameters in einer URL auf eine Seite zu verzweigen, die innerhalb des Flash-Menübaumes hängt. Wenn also eine Phrase aus der Unterseite „Impressum“ gefunden wurde, landet man dennoch auf der Hauptseite und darf selber rumsuchen. Bis dahin hab ich als „Seitenbetrachter“ die Seite längst wieder zu gemacht und suche woanders rum.

Fazit: es gibt diese Technologie, ja, aber wozu?

2 Kommentare zu “Adobe Flash und Suchmaschinen: Eine kleine Agenturdiskussion”

  1. Jerry

    @ Frank Röske:

    „Aufgrund des hohen Mißbrauchpotentials von Flash würde ich nicht einmal einem Anwender raten, einen Flash-Player zu installieren“ – unqualifizierter geht es kaum! ^^

    Schade, dass dieser Beitrag so gut gefunden wird bei google, eine etwas differenziertere Betrachtung des Themas hätte einen echten Mehrwert für den User gehabt. So ist es allerdings offenbar nur eine Sammlung von vermeintlichem Halbwissen. Bitte auch mal über den Tellerrand schauen! 😉

    Liebe Grüße!

  2. Internetagentur Netshake

    Bei uns gibt es eine einfache gute Regel:
    Wenn es eine Miniseite oder Promotion ist, dann geht Flash in Ordnung. Ist es was sehr wichtiges, wird Flash komplett übersprungen!

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