Ladenschlussgesetz-Ladenöffnungsgesetz gilt auch in Reutlingen für Möbel Rieger

VIP-Sonntag bei Möbel Rieger fällt bei leichtem Nieselregen ins Wasser.

Das Möbelhaus Rieger bzw. wahrscheinlich die Marketingabteilung oder die betreuende Werbeagentur hatte eine interessante Idee:

Alle Kunden der Möbelhäuser in Göppingen und Reutlingen wurden persönlich angeschrieben und zu einem VIP-Sonntag eingeladen. Auf den Einlass explizit nur mit der Original-Einladung, auf der die Kundennummer und der Name abgedruckt waren, wurde hingewiesen. Ein Geschenk: ein Glas-Tischlichterset von Leonardo war für jeden Besucher am Sonntag vorbereitet. Zwei Gutscheine für Rinderfilet und Kinderschnitzel im neu eröffneten Restaurant des Möbelhauses waren auch dabei. Ausserdem sollten die Kunden 12% Rabatt erhalten.

Ich war beeindruckt. Der Parkplatz war so voll wie an jedem normalen Samstag auch.  Wie viele Kunden eingeladen waren konnte oder wollte man mir nicht sagen, aber es müssen viele gewesen sein. Noch vor dem Eingang wurde ich freundlich aber bestimmt zum Anhalten aufgefordert. In knappen Sätzen bekamen hier die Gäste erklärt, daß die Stadt Reutlingen mit Verweis auf das neue Ladenschlussgesetz den angekündigten Verkauf und auch die Beratung ausdrücklich verboten hat. An der Tür wurden die Einladungsschreiben durch die Security kontrolliert. Das Geschenk konnte man gegen den Einladungsbrief eintauschen und im Restaurant fanden Rinderfilet, Kinderschnitzel und Kuchen mit Kaffeepot reißenden Absatz. Ankommende Frauen erhielten ab ca. 12:00 Uhr jeweils eine Rose. Nach einer kurzen Diskussion bekam ich auch eine orangene Rose für meine Frau mit auf den Heimweg.

Im Entschuldigungsschreiben verweist Möbel Rieger nochmals auf das Ladenschlussgesetz. Jeder Besucher, erhielt im Austausch für die Einladung die Verlängerung des VIP-Rabatt von 12% bis zum nächsten Samstag und zusätzlich einen Einkaufs-Gutschein von 20EUR, der bis zum Jahresende gültig ist. Ganz umsonst war der Weg nach Reutlingen nicht, aber meine Tochter war sehr enttäuscht, daß sie ihr Kinderbett nun doch nicht schon heute bekommen konnte.

Für uns als Werbeagentur ist es eine interessante Erfahrung, daß auch durch einen VIP-Sonntag mit persönlicher Einladung das Ladenöffnungsgesetz zumindest hier in der Gegend nicht ausser Kraft gesetzt werden kann. Selbst eine geschlossene Veranstaltung in einem Möbelhaus kann das Ladenschlussgesetz nicht aushebeln. Aber diese Erfahrung zeigt auch, daß sich erstaunlich viele Menschen auch am Sonntag zum Einkaufen locken lassen. Der Bedarf scheint also da zu sein. Aber im Gesetz steht es eindeutig:

  • Montags bis Samstags ist alles erlaubt.
  • Sonntags und Feiertags (Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfeiertagen, im gesamten Advent, am 1. Mai und 3. Oktober) ist definitiv Ladenschluß.
  • Frische Backwaren und Blumen dürfen nur drei Stunden lang am Sonntag verkauft werden.
  • Blumen und Kränze dürfen am 1. November (Allerheiligen), am Muttertag, am Volkstrauertag, am Totensonntag und am 1. Adventsonntag sogar sechs Stunden lang verkauft werden.
  • Dies gilt jedoch nicht am 1. Weihnachtsfeiertag sowie am Oster- und Pfingstsonntag.
  • Zeitungen und Zeitschriften dürfen an Sonn- und Feiertagen für die Dauer von sechs Stunden verkauft werden.
  • ein paar weitere Ausnahmen gelten z.B. für Tankstellen, Flughäfen, Bahnhöfe, Hofläden, Andenken…

Fazit: Der Landtag hat am Tag der Liebe und Blumen 14. Februar 2007 das „Gesetz über die Ladenöffnung in Baden-Württemberg“ beschlossen.

Verkaufsoffene Sonntage
Die Gemeinden können jährlich drei verkaufsoffene Sonn- und Feiertage festsetzen. Anders als bisher sind auch örtliche Feste oder ähnliche
Veranstaltungen ein ausreichender Anlass dafür. Ausgenommen sind die Adventssonntage, die Feiertage im Dezember sowie der Oster- und Pfingstsonntag.

Aber diese drei Sonntage werden eben von den Gemeinden für alle festgelegt. Alleingänge sind auch als VIP-Sonntag mit persönlicher Einladung nicht erlaubt. Damit müssen alle leben. Recht und Ordnung gelten auch in Reutlingen.

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